Wearable Tech – Smartwatch im Test

22/08/16

Seit einigen Jahren gehört Wearable Technology zu den Top-Themen im Technologiebereich. Es scheint, als würde inzwischen jeder Hersteller – ob kleines Start-up oder großer Akteur – eine breite Gerätepalette anbieten, die von Schlafmonitoren bis zuWatch 22 Smartwatches alles Mögliche umfasst.

Zuerst entstand die Nachfrage nach tragbaren Technologien (oder Wearable Tech) im Gesundheits- und Fitness-Bereich. Ein Beispiel aus der Anfangszeit ist das Nike+-Modul mit GPS, das in Laufschuhe integriert und mit einem iPod verbunden wird und so u. a. als Schrittzähler fungiert. Danach kamen spezielle Fitness-Tracker von FitBit, JawBone und vielen anderen Anbietern auf den Markt, die durch ihre Erschwinglichkeit und ihr unauffälliges Design den Mainstream ansprechen.

Die einfache Armbanduhr gehört zu den frühesten Beispielen für tragbare Technologien und zeigt den technologischen Fortschritt exemplarisch auf: Analoge Armbanduhren sind heute eher out, dafür ist die Apple Watch angesagt.

Doch wie sinnvoll sind Smartwatches überhaupt? Wir wollten uns selbst ein Bild davon machen.

Gesagt, getan. Wir bestellten also drei Apple Watches – zwei mit dem größeren 42-mm-Gehäuse in Silber und Space-Schwarz und eine mit dem kleineren 38-mm-Gehäuse in Roségold – und baten neun Kollegen aus verschiedenen Unternehmensbereichen darum, die Uhren je drei Wochen lang zu tragen und jegliche Verhaltensänderungen, die sie bei sich beobachteten, zu notieren, sowie generell alles, was ihnen positiv oder negativ auffiel.

Zu Beginn waren die Reaktionen gemischt. Bei einigen überwog eine gesunde Skepsis, sie stellten infrage, ob noch ein Gerät mehr überhaupt sinnvoll sei. Andere wiederum wollten bestimmte Funktionen der Watch unbedingt ausprobieren und waren gespannt darauf, wie das Gerät ihr Alltagsleben beeinflussen würde.

Auch das Aussehen der Watch war Gesprächsthema, wobei die meisten Tester in ihrem Urteil übereinstimmten, dass die Uhr zu groß und klobig und somit nicht sehr attraktiv sei. Interessanterweise kamen entsprechende Rückmeldungen in erster Linie von den Frauen, denen eine der Uhren mit dem größeren Gehäuse zugeteilt worden war. Nur einer der männlichen Tester störte sich am Aussehen der Uhr und auch wenn es sich hierbei um eine rein subjektive Beurteilung handelt, spielt dieser Faktor im Wear-Tech-Bereich natürlich eine wichtige Rolle, denn diese Geräte sind darauf ausgelegt, getragen und ähnlich wie Schmuckstücke zur Schau gestellt zu werden. Dwatch-pic-3 V2ie Watch ist mit verschiedenen Gehäusen sowie Armbändern mit zahllosen Farb- und Stilkombinationen erhältlich, Apple scheint dies also verstanden zu haben.

Wie schon erwähnt entstand die Nachfrage nach Wearable Tech zuerst im Gesundheits- und Fitness-Bereich und dieser Aspekt sprach nahezu alle unsererTester an. Die meisten von ihnen gaben an, schnell „süchtig“ danach geworden zu sein, ihre Aktivitätsringe zu schließen, was dazu führte, dass sie körperlich aktiver waren als zuvor. Dieses spielerische Heranführen an körperliche Bewegung hat sich in unserem (zugegebenermaßen nicht sehr repräsentativen) Test also als effektiv erwiesen und auch Medienberichten zufolge handelt es sich hier um eine sehr wirksame Taktik, den Lebensstil der Benutzer aktiver zu gestalten. Einschränkend sei hinzugefügt, dass einer unserer sehr aktiven Testteilnehmer anmerkte, dass die Watch als Fitness Tracker nicht auf ganzer Linie überzeugt, da die Auswahl an Aktivitäten in ihrer Workout-App nicht sehr groß ist und die Uhr beim Schwimmsport nicht zum Tracking verwendet werden kann, weil sie nicht wasserdicht ist.

Einigkeit bestand allerdings darin, dass es nützlich ist, Nachrichten direkt auf der Uhr lesen zu können. Es ist bequem und man gewöhnt sich schnell daran, nicht jedes Mal das iPhone hervorholen zu müssen, um neue Nachrichten abzurufen. Viele unserer Teilnehmer trauerten diesem Feature nach Beendigung des Tests hinterher. Als großen Pluspunkt empfanden sie auch die Option, ggf. auf Nachrichten zu reagieren, also eine Antwort diktieren oder aus vordefinierten Antworten auswählen zu können. Hier wurden allerdings Unstimmigkeiten festgestellt, die zu Frust unter den Teilnehmern führten: So ist es zwar möglich, auf iMessage-Nachrichten zu antworten, aber nicht auf WhatsApp-Nachrichten.

Der größte Teil der negativen Rückmeldungen bezog sich auf die Apps im Allgemeinen. Die Performance stellt eines der größten Probleme dar: Mitunter können Apps überhaupt nicht geladen werden oder das Laden nimmt eine lange Zeit in Anspruch. Ist der Ladevorgang dann endlich abgeschlossen, kommt zu dem Ärger über den Zeitaufwand noch der Frust über eingeschränkte Funktionen innerhalb der Apps hinzu. Hier wurden von unseren Testern sowohl Instagram als auch Facebook genannt. Bei der Instagram-App steht keine Videofunktion zur Verfügung und eine Facebook-App gibt es gleich gar nicht. Es überrascht wohl nicht, dass die Apple-eigenen Apps bei unseren Testern etwas besser abschnitten, wobei insbesondere die Maps-App als nützlich empfunden wurde.Cartoon watch

Wird die Navigationsfunktion in Maps auf einem iPhone genutzt, das mit einer Apple Watch verbunden ist, wird auf der Uhr die Route angezeigt und der Träger wird durch verschiedene Vibrationssequenzen angewiesen, rechts oder links abzubiegen. Dieses kleine Feature erwies sich in großen Städten als extrem hilfreich. Zum einen, weil man so nicht so schnell zum Diebstahlopfer wird, als wenn man ein iPhone vor sich hertragen würde, zum anderen aber auch, weil man sich mit der Watch auf den Weg konzentrieren kann.

In Bezug auf die Akkulaufzeit der Apple Watch schieden sich dann schließlich die Geister. Einige Tester fanden die Laufzeit mehr als angemessen und berichteten von einer verbliebenen Laufzeit von 60 – 70% am Ende jedes Tages. Andere gaben an, dass sie die Watch jeden Tag aufladen mussten – und manchmal sogar mehr als nur einmal –, und empfanden das als sehr enttäuschend. Das Gerät hält also im besten Fall zwei Tage durch, es sieht aber ganz so aus, als müsste man auch dieses Gerät, wie so viele andere, jede Nacht aufladen, um sich am nächsten Tag darauf verlassen zu können. Dass die Uhr induktiv aufgeladen werden kann – die Notwendigkeit, mit einem Kabel zu hantieren, also entfällt –, machte die Sache allerdings etwas erträglicher für unsere Tester.

Überrascht hat uns, dass nur wenige unserer Tester Gebrauch von Apple Pay und Siri machten. Diese wenigen aber fanden die beiden Anwendungen sehr nützlich, wobei insbesondere Apple Pay überzeugte. Das Bezahlsystem kann genutzt werden, indem die Apple Watch am Handgelenk an das entsprechende Gerät gehalten wird. Praktischer geht es eigentlich nicht, so kann der Geldbeutel auch mal zu Hause gelassen werden. Siri funktioniert auf der Apple Watch nach Angaben unserer Tester sehr gut. Einige waren anfangs etwas gehemmt und mussten sich überwinden, um laut mit ihrer Uhr zu sprechen, andere fühlten sich gleich wie James Bond und konnten gar nicht genug davon bekommen. Alle Tester waren der Meinung, dass Siri sehr praktisch ist, um unterwegs Timer-Einstellungen vorzunehmen, Nachrichten zu senden, die Musikeinstellung zu ändern und Wegbeschreibungen oder die Wettervorhersage abzurufen.

Hat die Watch das Leben unserer Tester also tatsächlich so verändert, dass sie sich ein Leben ohne die Uhr gar nicht mehr vorstellen können?

Die Antwort lautet Nein, sie hat ihnen das Leben durch eine ganze Reihe kleiner Annehmlichkeiten allerdings ein bisschen leichter gemacht. Keiner der Teilnehmer ist der Ansicht, dass mit der Apple Watch ein Durchbruch erzielt werden kann, der mit der Revolution durch das iPhone vergleichbar ist, die meisten vermissten jedoch den einen oder anderen Aspekt der Uhr, als der Test dann vorbei war. Wie die Ergebnisse zeigen, besteht bei diesem Gerät und bei Wearables im Allgemeinen noch viel Weiterentwicklungsbedarf. Sie sind jedoch leistungsstark genug, um als Schlüsselkategorie im Markt für vernetzte Geräte zu gelten.

Die Zukunft von Wearables könnte richtig interessant werden. Schon bald wird die unvermeidliche Apple Watch 2 auf den Markt kommen, die wohl eine verbesserte Performance und eine längere Akkulaufzeit aufweisen wird und wasserdicht ist. Zudem baut Google Gerüchten zufolge an neuen Android-Wear-Geräten. Auch auf lange Sicht wird Google Pionierarbeit leisten und auf der Suche nach dem nächsten Hit viel Neues ausprobieren. Beim Projekt Jacquard geht es beispielsweise um leitfähiges Garn, das die Kleidungsstücke, in die es eingewoben wird, in Eingabegeräte verwandelt, die mit anderen Geräten interagieren können. Es wird sicher noch eine ganze Weile dauern, bis diese Technologie weite Verbreitung gefunden hat, sie erlaubt jedoch Einblicke in eine nicht allzu weit entfernte Zukunft, in der die Welt noch stärker vernetzt sein wird. Welche Geräte werden wir dann für Ihre Kunden schützen? Wir bei Assurant sind sehr gespannt darauf, welche Antworten die Zukunft bringt.

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