Die ungebrochene Liebe der Deutschen zur Geldbörse – Mobile Payment auf dem Vormarsch?

27/11/14

Praktikable Alternativen zu Bargeld gibt es schon seit einiger Zeit. Früher gab es den Scheck, irgendwann kam die Kreditkarte, in Deutschland ist zudem die EC-Karte sehr verbreitet. Den rasanten Aufschwung mobiler Technologien wie bei Smartphones oder Tablets hat die Branche in Deutschland aber weitestgehend verschlafen. Woran liegt das?

In anderen Märkten sind die Hürden für neuartige Bezahlsysteme nicht so hoch wie hierzulande. Betrachten wir beispielsweise den momentan erfolgreichsten Markt für Mobile Payment: die USA mit ihrem sehr liberalen Wirtschaftssystem. Die Aussicht auf hohe Wachstumsraten und enorme Renditen gepaart mit der Aufgeschlossenheit der US-Bürger Neues auszuprobieren führte zu einer raschen Verbreitung unterschiedlichster Kombinationen. Ob per Smartphone-App der lokalen Bank oder mit dem Tablet über national tätige Finanzdienstleister: die Branche boomt. Bei einem weltbekannten Fastfood-Unternehmen wird bereits die Hälfte aller mobilen Transaktionen mit dem iPhone durchgeführt.

Ein Trend, der uns bald schon auch in Europa erreichen könnte. Immerhin liegen die Vorteile dieser Systeme klar auf der Hand: Sie machen das Mitführen von Bargeld und Geldkarten quasi überflüssig und beschleunigen darüber hinaus noch den Zahlvorgang. Steffen von Blumröder schlussfolgert in einem Artikel der Branchenzeitschrift BITKOM: „Mobile Wallet bietet enorme Anwendungsmöglichkeiten und Vereinfachungen des täglichen Lebens.“

Für viele Einzelhändler und Supermarktketten hält sich der Aufwand in Grenzen, da die technische Infrastruktur meist bereits vorhanden ist oder sich mit minimalem Aufwand nachrüsten lässt.

Entscheidend für die flächendeckende Einführung von Mobile Payment-Systemen in Deutschland dürfte die Akzeptanz beim Kunden sein. Die Erfahrung im deutschsprachigen Raum zeigt: erst wer mit marktreifen Systemen das Vertrauen der Kunden gewinnen kann, hat eine Chance sich langfristig gegen altbewährte Technik durchzusetzen.

Aktuelle Marktsituation in Deutschland 

Während Online-Banking und E-Commerce schon seit Jahren verbreitet sind, fristet die Möglichkeit mobilen Bezahlens in Deutschland nach wie vor ein Nischendasein. Das ist primär auf drei Gründe zurückzuführen:

  • ausgeprägte Unkenntnis über vorhandene Systeme
  • Sicherheitsbedenken
  • mangelnde Akzeptanz

Laut einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsunternehmens Nordlight nutzen „aktuell nur zwei Prozent der Bundesbürger eine sogenannte „Wallet-App“ um kleinere Geldbeträge unterwegs per Smartphone zu begleichen.“ und nur jeder Fünfte kennt diese Apps überhaupt.

Ein schwieriges Umfeld für Unternehmen, die auf diesem Sektor aktiv sind oder dies planen. Erst kürzlich verkündete Apple die Einführung von „Apple Pay“ für die neueste iPhone-Generation. Dass der Dienst in Deutschland bisher noch nicht verfügbar ist, wirkt bei der aktuellen Marktpenetration nicht verwunderlich.

Obwohl der Weltkonzern über einen nicht zu unterschätzenden Marktanteil bei den Smartphones verfügt, wird aktuell nicht mit einer Einführung vor den Jahren 2015/2016 gerechnet. Auch andere Branchenriesen halten sich in Deutschland mit der Einführung mobiler Zahlsysteme noch zurück. Branchenprimus Google etwa hat mit „Google Wallet“ in anderen Ländern eine eigene Infrastruktur geschaffen und auch etablierte Online-Finanzdienstleister wie PayPal arbeiten an eigenen Programmen.

Hemmschwellen und Sicherheitsbedenken abbauen

Woran liegt die Zurückhaltung bei potentiellen Kunden wie auch auf unternehmerischer Seite?

Die bereits genannten Faktoren Unkenntnis, mangelnde Akzeptanz und Sicherheitsbedenken stellen die größten Hemmschwellen für eine schnelle und flächendeckende Einführung der Technologie dar. In erster Linie müssen potentielle Kunden und Nutzer des neuen Systems Sicherheitsbedenken ablegen und Vertrauen zu dieser neuartigen Bezahlmethode fassen.

Dies bestätigt auch Branchenexperte von Blumröder: „Damit sich die digitale Brieftasche durchsetzt, muss ein höchstmögliches Niveau bei Sicherheit und Zugriffsschutz der einzelnen Anwendungen gewährleistet sein.“

Für Zukunftstechnologien benötigt man deshalb progressive, flankierenden Maßnahmen. Dies setzt ein Umdenken des Endverbrauchers bei sicherheitsrelevanten Aspekten voraus. Wenn der Durchschnittsuser Geräte- und Diebstahlschutz, Versicherung und Verschlüsselung nur für Schlagworte der Digitalindustrie ohne persönliche Relevanz hält, wird ein Umdenken nicht stattfinden.

Zu den Profiteuren einer Umstellung auf mobile Bezahlsysteme werden daher auch jene Unternehmen gehören, die die Sicherheit von Daten und Eigentum rund um das Thema „mobile Endgeräte“ als Kernkompetenz führen. Auf dem deutschen Markt bietet Assurant Solutions eine breitgefächerte Palette an Dienstleistungen, die den Schutz der Kundendaten und seiner Hardware in den Vordergrund stellen. Diese Services bilden das Fundament für ein neues Verständnis von Sicherheit im Bereich mobiler Endgeräte.

Was funktioniert neben Mobile Payment noch? 

Die erforderliche Technologie beschränkt sich aber nicht nur auf die mobile Transaktion von Geldbeträgen, auch die Personenidentifikation per Smartphone oder die Nutzung als Wohnungs- und Autoschlüssel sind denkbare Ansätze.

Verwunderlicher Weise liegt die Akzeptanz hier um einiges höher als beim Thema „mobiles Zahlungsmittel“. So können sich knapp ein Viertel aller Bundesbürgerdas sind immerhin 17 Millionen Menschen – die Mitführung eines digitalen Personalausweises vorstellen. Auch der Einsatz als Autoschlüssel ist in Ballungsräumen keine Seltenheit mehr. So setzt bspw. der Großteil aller Car-Sharing-Unternehmen das Smartphone als Identifikationsmittel für das Öffnen und Schließen ihrer Fahrzeuge ein.

Auch hier spielt die Anwendungssicherheit eine übergeordnete Rolle. Wer sich George Orwells Roman „1984“ vor Augen hält, kann sich mit ein wenig Phantasie die negativen Begleiterscheinungen vorstellen, die solche Technologien mit sich bringen könnten.

Für die Förderung mobiler Bezahlsysteme ist es daher unerlässlich, vorausschauende Rahmenbedingungen in Wirtschaft und Politik zu schaffen.

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